1940 – Leben unter Besatzung

09.April

Deutscher Angriff auf Dänemark und Norwegen

Panzerkampfwagen I in Norwegen während des Unternehmens Weserübung

Am 9. April 1940 begann das deutsche Unternehmen Weserübung – der Angriff auf die neutralen Staaten Dänemark und Norwegen. Noch in den frühen Morgenstunden überschritten Truppen die dänische Grenze, während Kriegsschiffe und Fallschirmjäger Norwegens Häfen und Flughäfen angriffen.
Die deutsche Führung rechtfertigte das Vorgehen als „Vorbeugemaßnahme gegen eine britische Landung“. In Wahrheit diente der Angriff der Kontrolle über Norwegens Küste und die Sicherung des schwedischen Eisenerzes, das für die Rüstung lebenswichtig war. Bereits am Abend war Dänemark besetzt, während Norwegen in heftigen Kämpfen bei Oslo, Trondheim und Narvik verwickelt war.​

In Deutschland reagierten viele mit einer Mischung aus Stolz, Angst und Resignation. In einem Brief vom 10. April 1940 notiert Hilde Nordhoff:
„Das Hauptereignis hat ja alles andere zurückgestellt. Man hört den ganzen Tag Nachrichten und wagt kaum, sich zu freuen. Ein seltsames Gefühl liegt über allem – keines, das Glück heißt, und doch keine Sorge.“

Einige Tage später antwortet Roland Nordhoff:
„Hundert Briefe habe ich nun von Dir, Herzallerliebste. Und jeder ist mir ein Stück Heimat. Heute kommt mir alles so ernst vor, so schwer. Ich denke an die, die jetzt im Norden stehen. Es ist, als ob der Krieg uns näher rückt.“

Zwischen Hoffnung und Angst suchten beide Trost in ihren Briefen. Für sie war der 9. April kein Tag politischer Größe, sondern einer, an dem der Krieg endgültig die Distanz verlor.

10. Mai

Deutscher Angriff auf Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg

Rotterdam in den Niederlanden nach dem deutschen Bombenangriff am 14.Mai 1940

Am 10. Mai 1940 begann mit dem Unternehmen Fall Gelb die deutsche Offensive gegen Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. In den frühen Morgenstunden überschritten deutsche Truppen die Grenzen. Gleichzeitig landeten Fallschirmjäger in den Niederlanden und Belgien, um strategische Brücken und Forts wie Eben-Emael zu erobern.​

Ziel des Angriffs war, die neutralen Staaten zu überrennen, die französischen und britischen Truppen zu spalten und den Krieg im Westen rasch zu gewinnen. Besonders entscheidend war der Durchbruch durch die Ardennen bei Sedan, wo Panzerdivisionen unter den Generälen Guderian und Rommel die französischen Linien durchstießen. Damit begann der als „Blitzkrieg im Westen“ bekannte Feldzug.​

Für viele Deutsche kam die Nachricht des Angriffs überraschend. In einem Brief vom 12. Mai 1940 schrieb Hilde Nordhoff:
„Überall spricht man vom neuen Vormarsch, und man ahnt, dass dies große Tage sind. Doch ich kann nicht froh sein, wenn ich an all die denke, die nun fort müssen. Jeder Sieg hat hier seinen Preis.“

Roland antwortete zwei Tage später:
„Man sagt, wir seien bei Sedan durchgebrochen. Alles scheint so schnell zu gehen, dass einem der Atem stockt. Aber inmitten all der Bewegung denke ich nur daran, ob du gut schläfst und gesund bleibst.“

Der 10. Mai 1940 bedeutete das Ende des sogenannten „Sitzkriegs“. Innerhalb weniger Wochen fiel Westeuropa, Paris war bedroht, und der Krieg veränderte erneut das Leben der Menschen – an der Front wie zu Hause.

22. Juni

Wilhelm Keitel überreicht Waffenstillstandbedingungem an General Charles Huntziger

Frankreich kapituliert: Besatzungszonen und Vichy-Regime

Am 22. Juni 1940 wurde im Wald von Compiègne der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet, was die Niederlage Frankreichs im Westfeldzug besiegelte. Die Wehrmacht besetzte etwa 60 Prozent des französischen Staatsgebiets, darunter Paris, die wichtigen Industriegebiete im Norden sowie die Atlantikküste. Der restliche Süden blieb zunächst unbesetzt und stand unter der Kontrolle des autoritären Vichy-Regimes unter Marschall Pétain, der eng mit den Deutschen kooperierte.

Das Vichy-Regime forderte zwar später den Schutz der ostfranzösischen Regionen Elsass und Lothringen ein, doch diese wurden vollständig dem Deutschen Reich eingegliedert und direkt verwaltet. Die Kapitulation bedeutete für Frankreich den Verlust seiner vollen Souveränität und leitete Jahre der Besatzung und Kollaboration ein

In dieser bedrückenden Situation schrieb Hilde Nordhoff:
„Überall spricht man vom Sieg des Feindes und doch auch von Hoffnung. Es ist ein seltsamer Friede, der in der Luft liegt, nicht wirklich Ruhe, sondern eher Schweigen vor dem Sturm.“

Der 22. Juni 1940 markierte eine dramatische Zäsur in Europa – Frankreich hatte kapituliert und war in eine neue Realität geraten, geprägt von Besatzung, politischer Teilung und einem Regime, das zwischen Kooperation und Unterdrückung schwankte.